Die Retro-Gaming-Blase: Wenn Spielfreude zur Spekulation wird

Die Retro-Gaming-Blase: Wenn Spielfreude zur Spekulation wird
Photo by Lorenzo Herrera / Unsplash

Es war einmal eine Zeit, da bedeutete Retro-Gaming etwas völlig anderes als heute. Man stöberte gemütlich auf Flohmärkten, entdeckte in verstaubten Kartons vergessene Schätze und freute sich über den Fund eines lange gesuchten Spiels für ein paar Euro. Man tauschte mit Gleichgesinnten, teilte die Leidenschaft für pixelige Abenteuer und 8-Bit-Soundtracks.
Retro-Gaming war ein Hobby von Enthusiasten für Enthusiasten.
Diese Zeit ist vorbei.

💰 Willkommen in der Spekulationsblase

Was wir heute erleben, ist keine gesunde Marktentwicklung mehr – es ist eine Blase. Und wie bei jeder Blase gibt es Profiteure und Leidtragende. Die Leidtragenden sind wir: die Spieler, die Sammler, diejenigen, die diese Spiele tatsächlich spielen wollen und nicht als Wertanlage in versiegelten Grading-Boxen in den Tresor legen.
Retro-Videospiele haben sich in den letzten Jahren von Kulturgütern zu Spekulationsobjekten entwickelt, vergleichbar mit Bitcoin, NFTs oder Aktienhypes.
Die Fakten sind erschreckend:

Ein versiegeltes "Super Mario Bros." für die NES: über 2 Millionen Dollar
Earthbound-Module: regelmäßig vierstellige Beträge
Gewöhnliche SNES-Spiele in Millionenauflage: Preise jenseits jeder Vernunft

⚠️ Die neue Goldgräberstimmung

Der Gebrauchtmarkt hat sich fundamental verändert. Wo früher Privatpersonen ihre alten Spielesammlungen verkauften, tummeln sich heute professionelle Händler und Spekulanten, die jede Gelegenheit nutzen, um den maximalen Profit herauszuschlagen.
Jeder zwielichtige Flohmarkthändler, jeder eBay-Reseller wittert das große Geld. Die Preise werden nicht mehr durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch:

❌ Künstliche Verknappung
❌ Aggressive Aufkaufstrategien
❌ Eine Hype-Maschinerie, die ihresgleichen sucht

Das Schlimmste daran?
Diese Entwicklung zerstört systematisch das, was Retro-Gaming einmal ausgemacht hat. Es geht nicht mehr um den Spielspaß, nicht mehr um die Nostalgie, nicht mehr um die Liebe zum Medium.
Es geht um:

Rendite
ROI
"Investment"

Spiele werden nicht mehr ausgepackt und gespielt, sondern gradiert, versiegelt und als Wertanlage behandelt.

🔦 Der Wahnsinn auf den Flohmärkten

Die Jagd hat groteske Züge angenommen:

Sammler stehen mit Taschenlampen in der Morgendämmerung auf Parkplätzen
Man "belästigt" regelrecht Verkäufer beim Ausladen
Sofortiges Geldangebot, bevor die Ware überhaupt aufgebaut ist

Warum? Weil man sonst gegen die skrupellosen Händler keine Chance mehr hat, die systematisch jeden Flohmarkt abgrasen und alles aufkaufen, was auch nur ansatzweise Gewinn verspricht.
Die traurige Realität
Diese Praktiken sind erniedrigend – für beide Seiten. Wo früher das entspannte Stöbern und der freundliche Plausch mit Verkäufern zum Charme des Hobbys gehörten, herrscht heute ein aggressives Geschachere, das an die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus erinnert.
Man muss sich schämen für das, was aus dieser Community geworden ist.

✨ Lichtblicke gibt es dennoch

Umso wichtiger sind Händler wie Stephan von Fairplay Hamm, der durch seinen YouTube-Kanal bekannt wurde.
Was Stephan anders macht:

✅ Fair – Realistische Preise statt Wucherpreise
✅ Transparent – Offene Kommunikation mit der Community
✅ Leidenschaft – Echtes Interesse am Hobby, nicht nur am Profit

Er zeigt, dass es auch anders geht – dass man als Händler wirtschaftlich arbeiten kann, ohne die Community auszunehmen. Solche Persönlichkeiten sind Vorbilder in einer Branche, die dringend mehr Fairness und weniger Profitgier gebrauchen könnte.

Doch solche positiven Beispiele sind leider die Ausnahme.

Die Regel ist: Wer heute ein bestimmtes Retro-Spiel für seine Sammlung sucht, muss entweder brutale Preise zahlen oder leer ausgehen.

😢 Das Ende des Sammelns um des Sammelns willen

Das Tragische an dieser Entwicklung: Es versaut das gesamte Hobby.
Wer ist betroffen?
Die junge Generation:

Eine ganze Generation junger Spieler wird effektiv ausgeschlossen
Wer kann sich als Teenager oder Student heute noch eine Retro-Sammlung aufbauen?
Die Einstiegshürden sind astronomisch hoch geworden

Langjährige Sammler:

Was früher Freude am Finden bedeutete, ist heute ein permanenter Kampf
Was früher das Komplettieren der Sammlung war, ist heute ständiges Ärgern
Was früher das Wiederentdecken vergessener Perlen war, ist heute Frustration über überzogene Preise

📉 Die Blase wird platzen – aber zu welchem Preis?

Jede Blase platzt irgendwann. Das ist historische Gewissheit.
Die Frage ist nicht OB, sondern WANN – und was dann vom Hobby übrig bleibt.
Wenn die Blase platzt:
Das Problem der Spekulanten:

Viele werden mit wertlosen "Investments" dastehen
Künstlich aufgeblähte Preise werden kollabieren
Das ist deren Problem

Unser Problem:

Was macht diese Blase in der Zwischenzeit mit der Community?
Wie viele potenzielle Retro-Gamer werden abgeschreckt?
Wie viele aufrichtige Sammler geben frustriert auf?
Wie viel von der ursprünglichen Kultur und Leidenschaft geht verloren?

🎯 Ein Appell: Zurück zu den Wurzeln
Ich sehne mich nach anderen Zeiten:

Nach Zeiten, in denen man entspannt auf Flohmärkte gehen konnte
Nach Zeiten, ohne Händlerhorden, die einen bedrängen
Nach Zeiten, in denen der Preis eines Spiels seinen tatsächlichen Wert widerspiegelte
Nach Zeiten, in denen Sammler aus Liebe zum Spiel sammelten, nicht zur Rendite

Für den Spielspaß. Für die Leidenschaft.
Gegen Spekulation und Profitgier.

Das sollte unser Motto sein:
✅ Was wir tun sollten:

Kauft Spiele, um sie zu spielen
Unterstützt faire Händler wie Stephan von Fairplay Hamm
Tauscht euch aus und teilt eure Leidenschaft
Boykottiert überteuerte Angebote
Organisiert Tauschbörsen
Nutzt Emulatoren und Flash-Carts, wenn originale Hardware unbezahlbar wird

❌ Was wir vermeiden sollten:

Aus diesem wunderbaren Hobby eine Wall-Street-Parodie machen
Uns diesem Wahnsinn unterwerfen
Vergessen, worum es eigentlich geht

Die goldenen Jahre des entspannten Retro-Sammelns mögen vorbei sein. Aber es liegt an uns, an der Community, zu entscheiden, ob wir aktiv gegensteuern.
🎮 Worum es wirklich geht
Und vor allem: Vergesst niemals, worum es eigentlich geht – um die Spiele selbst.
Denn am Ende des Tages sind es die Erlebnisse, die zählen:

🏆 Der Moment, wenn man zum ersten Mal Bowser besiegt
✨ Das Gefühl, endlich das letzte Triforce-Fragment gefunden zu haben
🎵 Die Nostalgie beim Hören des Tetris-Themes

Das ist es, was Retro-Gaming ausmacht:

Nicht der Wert auf der Preisliste
Nicht das Potenzial für Wiederverkauf
Sondern die Freude am Spiel

Lasst uns das nicht vergessen – bevor es zu spät ist.

Dieser Artikel spiegelt die Frustration vieler langjähriger Retro-Gaming-Enthusiasten wider, die zusehen müssen, wie ihr Hobby von Spekulanten vereinnahmt wird. Es ist ein Plädoyer für Vernunft, Fairness und die ursprünglichen Werte einer Community, die einmal von Leidenschaft und nicht von Profit getrieben wurde.

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